Lokale Aktivitäten
Würzburg
Home
Aktionen zurück
Menschenrechte
Geschichte Tibets
TID e.V
Nonnen Tournee 2003
Links
TIBET INITIATIVE DEUTSCHLAND e.V.

Beliebter tibetischer Sänger in China inhaftiert
Portrait- Chobdruk Dolma

17. April 2004

News zurück vor
mehr zum Thema
mehr zum Thema
home


Radio Free Asia:
Beliebter tibetischer Sänger und Liedermacher in China inhaftiert


Washington, 2. April 2004 – Wie von RFA berichtet, haben Mitarbeiter der chinesischen Staatssicherheit in einer der Tradition nach tibetischen Region, die heute zur chinesischen Provinz Qinghai gehört, einen tibetischen Sänger und einen Liedermacher wegen vermeintlicher politischer Anspielungen ihrer Texte verhaftet.

Mehrere Informanten, die anonym bleiben wollen, berichteten, die Musiker mit den Namen Namkha und Bakocha wären um den 10. März im Distrikt Tongde, Provinz Qinghai, verhaftet worden. “Niemand kennt ihren derzeitigen Aufenthaltsort”, sagte einer der Informanten.Ein anderer berichtete dem tibetischen Nachrichtendienst von Radio Free Asia: “Die chinesische Staatssicherheit der Präfektur Hainan, Provinz Qinghai, beschlagnahmt nun alle CDs von Namkha. Die Sicherheitsbeamten
gingen sogar in die Klöster und verlangten von den Mönchen die Herausgabe dieser CDs. Man drohte ihnen mit ernsthaften Konsequenzen, falls Aufnahmen von Namkhas Musik bei ihnen gefunden würden. Namkha und Bakocha stammen beide aus den Nomadengebieten von Qinghai. Bakocha ist Mönch im Kloster Ba Shangtse im Distrikt Tongde.

Die chinesischen Behördenvertreter verweigerten jeglichen Kommentar. Den Informanten zufolge ist der Grund für die Inhaftierung in dem leicht politischen Inhalt von Namkhas Liedern zu suchen. Die fraglichen Stücke tragen die Titel“Tsenpoe Poi nya” (Königlicher Bote) und “Amdo Pogoe” (ein Held aus Amdo).

“Seit geraumer Zeit genießt Namkha als Sänger große Popularität, während Bakocha die Lieder komponierte. Die Texte sind nicht bewußt politisch abgefaßt – es kommt eben darauf an, wie man sie interpretiert”, fügte der Informant hinzu. Diese Verhaftungen bestätigen eine Reihe anderer Anzeichen für eine härtere Gangart der Chinesen gegenüber tibetischen Dissidenten.

In einem in der Nähe von Lhasa gelegenen Landkreis verhafteten PSB-Beamte am 12. Februar einen jungen Mönch, weil er in seinem Quartier ein Foto des Dalai Lama und eine tibetische Nationalflagge aufbewahrt hatte. Fünf Tage danach beriefen die chinesischen Polizisten im Kloster Ganden eine Versammlung von ungefähr 500 Mönchen ein, denen sie erklärten, Choeden Rinzen sei wegen “Besitzes von gegen die Regierung gerichtetem Material” festgenommen worden.

Der Verhaftung von Choeden Rinzen ging ein Schlag gegen den tibetischen Fernsehsender Tibet TV 3 voraus, der versehentlich eine kurze Sequenz mit einem Mann in Kathmandu vor einer tibetischen Flagge eingeblendet hatte. Der Chef des Senders wurde vernommen und gezwungen, seinen “Fehler”
einzugestehen.

Weiterhin hat Peking unlängst ein in chinesischer Sprache geschriebenes Buch einer tibetischen Autorin verboten, das heikle religiöse Fragen berührte und schilderte, wie sehr die in Tibet lebenden Tibeter immer noch den im Exil befindlichen Dalai Lama verehren. Als die Autorin Oeser versuchte, ihr Buch “Tibetische Notizen” in der liberaleren Provinz Guangdong zu veröffentlichen, mußte sie erleben, wie es verboten wurde.

Aus Human Rights Update March 2003:
Portrait einer Gewissensgefangenen

Chokdrub Dolma wurde in einer Nomadenfamilie in der Gemeinde Nyendong, Kreis Dhamshung, Bezirk Lhasa, geboren. Bereits in frühen Jahren trat sie in das Phenpo Gyara Nonnenkloster, Kreis Phenpo, ebenfalls im Bezirk Lhasa, ein.

Am 14. Februar 1995 demonstrierten Chokdrub und dreizehn ihrer Gefährtinnen des Phenpo Gyara Klosters in Lhasa und riefen nach Freiheit für ihre tibetische Heimat. Das Public Security Bureau (PSB) nahm die Nonnen augenblicklich fest und sperrte sie in die Gutsa Haftanstalt im Norden der Stadt ein. Während der langwierigen Verhöre wurden die Nonnen mit heftigen Schlägen vom Sicherheitspersonal traktiert. Nachdem sie sechs Monate inhaftiert waren, wurden sie vor das Mittlere Volksgericht von Lhasa gestellt. Chokdrub Dolma wurde zu 6 Jahren Gefängnis verurteilt und in das berüchtigte Drapchi Gefängnis verlegt.

Am 1. Mai 1998 wollte die dortige Gefängnisleitung den Internationalen Tag der Arbeit begehen. Zum Flaggenappell wurden an jenem Tag 60 weibliche und 60 männliche politische Gefangene, sowie 600 Strafgefangene im Gefängnishof versammelt. Sie wurden in Reih und Glied gestellt und mußten dann am Fahnenmast vorbeimarschieren. Außerdem wurden sie angewiesen, Leitsprüche wie „ich will hart arbeiten, um mich zu bessern“ oder „... um ein neuer Mensch zu werden“, laut zu wiederholen.

Zu dem Fahnenmasten gewandt fingen die Gefängnisbediensteten und Häftlinge mit der chinesischen Nationalhymne an. Als die Fahne hochgezogen wurde, rief plötzlich ein Strafgefangener aus dem Trakt sechs „Free Tibet“. Laut schrie er Parolen und warf dazu Flugblätter in die Luft. Bald fielen auch die weiblichen und männlichen politischen Gefangenen ein. Die Gefängnisleitung zitierte die bewaffnete Polizei herbei und befahl ihr auf die Häftlinge zu schießen. Der Protest wurde unerbittlich niedergeschlagen und viele der Insassen mit Urteilsverlängerung bestraft.

Chokdrub Dolma wurde zusammen mit Ngawang Choezom, Dhamchoe Dolma, Yeshi Choedon, Sangay Choedon, Monlam Choenyid, Rinchen Pema, Jangchub Dolma und zwanzig weiteren Nonnen brutal zusammengeschlagen. Viele verloren durch die exzessiven Mißhandlungen das Bewußtsein und hatten von da an gesundheitliche Probleme. Die nächsten drei Monate mußten alle in Einzelzellen zubringen.

Drei Monate später verfügte das Mittlere Volksgericht von Lhasa Urteilsverlängerungen für alle Gefangenen, die bei dem Protest mitgemacht hatten. Chokdrub Dolma bekam zu ihren ursprünglichen sechs Jahren fünf weitere draufgesetzt, womit sie nun eine Haftstrafe von insgesamt 11 Jahren zu verbüßen hat. Sie befindet sich immer noch in Drapchi und ihre Entlassung steht für 2006 an.

Übersetzung: Irina Raba, Augsburg, Adelheid Dönges, München

home
tid