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Yeshe Gyatso zu sechs Jahren Haft verurteilt

Tibetischer Mönch wegen Unterstützung TDR gefoltert

2.12.03

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Yeshe Gyatso zu sechs Jahren Haft verurteilt

www.tibet.net

Dharamsala, 2. Dezember 2003: Während die Tibeter und ihre Unterstützer des ersten Jahrestages des beispiellosen Todesurteils gegen Tenzin Delek Rinpoche (alias Ahnga Tashi) gedenken, erreichen uns aus Tibet Berichte über eine sechsjährige Haftstrafe gegen Yeshe Gyatso. Unseren Quellen zufolge wurde er im Oktober oder November vom Volksgerichtshof in Lhasa verurteilt, eine Bestätigung der chinesischen Behörden liegt indessen nicht vor.

Yeshe Gyatso, der Mitglied der People’s Political Consultative Conference des Stadtbezirks Lhasa war, wurde am 16. Juni d.J. unter der Beschuldigung ? politischer Aktivitäten? in seinem Haus verhaftet. Zwei weitere Tibeter, Dawa Tashi und Buchung, die an der Tibet-Universität in Lhasa studierten, wurden ebenfalls während der Razzia festgenommen. Im August bestätigten die chinesischen Behörden ausländischen Journalisten, die Tibet besuchten, die Verhaftung von Yeshe Gyatso und anderen Personen. Auf entsprechende Fragen eines Korrespondenten von Associated Press erwiderte der Vize-Bürgermeister der Stadt Lhasa, Yeshe Gyatso sei wegen angeblicher ?separatistischer? Aktivitäten, welche die Gesetze der VR China verletzten, verhaftet worden. Er fügte hinzu, Dawa Tashi (23) sei nach einem Monat Haft freigelassen worden sei, zum Status von Buchung gab er jedoch keine Informationen.

Yeshe Gyatso war bereits im Jahr 1959 zu zehn Jahren Haft im Drapchi-Gefängnis verurteilt worden und verbrachte anschließend weitere zehn Jahre in der Einheit No. 5 für Umerziehung-durch-Arbeit in der Strafanstalt Sangyip. Der heute ungefähr siebzig Jahre alte Yeshe Gyatso war vor 1959 tibetischer Beamter im Rang eines drung-khor. Gemeinhin als Kyamtoe Yeshe Gyatso bekannt, wurde er auch nach der Familie seiner ersten Frau Sonam, deren Familie im Banak Shol Viertel von Lhasa wohnte, Tingshar Yeshe Gyatso genannt.

Ungeachtet der Mitteilung über Yeshe Gyatsos Verurteilung haben es die chinesischen Behörden bisher versäumt, die Anklagepunkte gegen ihn zu spezifizieren. Dies erregt natürlich Bedenken hinsichtlich der Unabhängigkeit der Justiz in der heutigen VR China. Vor seiner Verurteilung wurde Yeshe Gyatso in der Haftanstalt Gutsa festgehalten. Es gibt jedoch keinen klaren Hinweis auf seinen derzeitigen Haftort.

Als Reaktion auf die Inhaftierung von Yeshe Gyatso ersuchte Prof. Samdhong Rinpoche, der Kalon Tripa der Central Tibetan Administration (tibetischen Regierung-im-Exil), am 27. Juni 2003 die chinesischen Behörden, “sicherzustellen, daß die drei Tibeter einen öffentlichen und fairen Prozeß bekommen und daß sie nicht mißhandelt werden, solange sie sich im Polizeigewahrsam befinden.”

Ein Tibeter, der sich für Tenzin Delek Rinpoche eingesetzt hatte, weigerte sich, ihn zu denunzieren - gefoltert !, Quelle: RFA

Washington, 27. November – Berichten von Radio Free Asia zufolge wurde ein 66 Jahre alter Tibeter, der sich geweigert hatte, einen verurteilten tibetischen Mönch zu denunzieren, von den chinesischen Behörden dermaßen gefoltert, daß er bleibende physische und psychische Schäden davontrug, ehe man ihn schließlich freiließ.

Wie die für Tibet zuständige Abteilung von RFA erfuhr, verweigerte Tsering Dhondup, auch Jortse genannt, die Kooperation mit den chinesischen Behörden, die ihn wegen seiner Proteste gegen die Inhaftierung und die (aufgeschobene) Todesstrafe von Tenzin Delek Rinpoche festgenommen hatten. Einer ungenannten Quelle zufolge ?bestand Tsering Dhondup darauf, Tenzin Delek Rinpoche habe nichts Falsches getan, er habe vielmehr die Tibeter immer dazu angehalten Rauchen, Trinken und Raufen zu meiden?. ?Das Ergebnis war, daß die Chinesen ihn unmäßig folterten, bis er vollständig erblindete und seine beiden Beine gebrochen waren. Er wurde vor vier Monaten entlassen. Er bekam zu wenig zu essen und ist mittlerweile geistig behindert?, verlautete aus dieser Quelle.

Tsering Dhondup wurde einen Monat nach der Verhaftung von Tenzin Delek Rinpoche festgenommen. Er war Dorfvorsteher in der Gegend von Nyakchuka und hatte 20.000 Unterschriften für eine Petition gesammelt, um gegen die Inhaftierung von Tenzin Delek Rinpoche zu protestieren. Die Tibeterin, die anonym bleiben wollte, sagte auch, im Juli seien zwei Schwestern von Tenzin Delek Rinpoche zu seiner Haftanstalt nach Dartsedo (Kangding) gereist. “Sie erzählten mir, die seien nach Dartsedo gegangen und hätten sich dort beschwert und seine Freilassung gefordert. Sie erklärten den chinesischen Beamten, Rinpoche hätte weder gestohlen, noch irgend jemanden umgebracht – andererseits gäbe es viele Leute, die gestohlen oder gemordet hätten und trotzdem entlassen worden seien und sich frei bewegen könnten. Die beiden durften ihren Bruder jedoch nicht sehen. Man befahl ihnen zurückzukehren und sagte ihnen, man würde sich mit ihnen in Verbindung setzen, falls ihnen ein Besuch gestattet würde”.

Andere, die Tenzin Delek Rinpoche unterstützt hatten - Tsultrim Dargye, Tamding Tsering und Aku Dargye - seien aus dem Gefängnis entlassen worden, stünden jedoch in Nyakchuka unter Hausarrest. Auch Tashi Phuntsok, der den Rinpoche ebenfalls unterstützt hatte und zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde, sei noch im Gefängnis, fügte sie hinzu.

Tenzin Delek Rinpoche und sein Mitarbeiter Lobsang Dhondup wurden im Zusammenhang mit einer Serie von Bombenattentaten in Westchina verhaftet. Tenzin Delek Rinpoche wurde mit zweijährigem Aufschub zum Tode verurteilt und ist weiterhin in Haft. Lobsang Dhondup wurde im Januar hingerichtet. Seine Exekution rief weltweite Empörung hervor. Tibeter, die Tenzin Delek Rinpoche kennen, sind der Meinung, daß seine offene Kritik an den Chinesen der eigentliche Grund für seine anhaltende Inhaftierung ist. Ihrer Ansicht nach ist die Anklage wegen der Sprengstoffanschläge frei erfunden.

Ungefähr 80 Tibeter wurden verhaftet, geschlagen und gefoltert, weil sie versucht hatten, sich für Tenzin Delek Rinpoche einzusetzen. Tibetischen Quellen zufolge wurden manche zwei bis drei Monate eingesperrt, andere zwischen zehn und zwanzig Tagen, während einige von ihnen bis heute in Haft sind.

Übersetzung von Irina Raba, Augsburg, und Adelheid Dönges, München

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