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TID Newsletter November 2005
Kampagne "Patriotische Umerzeihung"
14. November 2005

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TID Newsletter November 2005

TID-Newsletter
14.11.2005

Inhalt:

Meldungen des Tibetan Centre for Human Rights and Democracy [TCHRD]

- Junger Mönch nach "Patriotischer Erziehung" unter mysteriösen Umständen im Kloster Drepung gestorben

- Schweigeprotest im Drepung Kloster als Antwort auf rigorose Durchführung der patriotischen Umerziehung


Junger Mönch nach "Patriotischer Erziehung" unter mysteriösen Umständen im Kloster Drepung gestorben


Dem TCHRD liegen zuverlässige Informationen über den Tod des 28 Jahre alten Mönches Ngawang Jangchub vor, der in der ersten Oktoberwoche unter ungeklärten Umständen in seiner Zelle im Kloster Drepung verstarb. Einen Tag nach einer heftigen Auseinandersetzung mit den Kadern des "Arbeitsteams" für die "Patriotische Erziehung" wurde er im Kloster tot aufgefunden.

Die Kader waren Anfang Oktober im Kloster eingetroffen, um die Kampagne durchzuführen. Entsprechend ihren Vorgaben wurde von den Mönchen verlangt, den Dalai Lama als "Separatisten" zu verurteilen und Loyalität gegenüber der chinesischen Regierung zu geloben. Einige Mönche wollten sich jedoch nicht"umerziehen" lassen, weshalb es zum Streit mit den Kadern kam. Wie berichtet, weigerte sich Ngawang bei der Auseinandersetzung rundweg, den Dalai Lama zu verunglimpfen und bezeichnete ihn als den "Erlöser im jetzigen und im nächsten Leben". Er erklärte den Kadern, er würde selbst dann nichts bereuen, wenn er aus dem Kloster ausgeschlossen würde. Ngawang widersprach weiterhin dem offiziellen Standpunkt der Regierung, Tibet sei ein integraler Bestandteil Chinas. Wörtlich sagte er: "Tibet war niemals ein Teil Chinas, und ich weise Euren Anspruch auf Tibet zurück." Als Antwort hierauf beschimpften ihn die Kader und drohten ihm schwerwiegende Konsequenzen an. Nach dem Streit zog Ngawang sich wütend in sein Quartier zurück. Am folgenden Tag erschien er nicht zur Schulung. Als die anderen Mönche nach ihm schauen wollten, fanden sie
ihn tot in seinem Zimmer liegen. Die genaue Todesursache ist nicht bekannt, die Mönche vermuten jedoch Selbstmord wegen des extremen psychologischen Traumas.

Ngawang Jangchub, alias Aku Ril Ril, wurde im Dorf Lakhang, Gemeinde Phodo, Distrikt Phenpo Lhundrup, Stadtbezirk Lhasa, geboren.

Die Kampagne der "Patriotischen Erziehung" nimmt den Mönchen und Nonnen in den Klöstern ihr inneres Gleichgewicht und veranlaßt sie manchmal zu extremen Reaktionen. Die ständige politisch motivierte Gehirnwäsche während der Kampagne, mit der die Geistlichen gezwungen werden, die Prinzipien der Partei unablässig zu wiederholen, verursacht den Mönchen und Nonnen ungeheure psychische Qualen und treibt sie in manchen Fällen bis zum Suizid.

Tashi Rabten aus dem Kloster Thentok verstarb am 1. Mai 2000 unter ungeklärten Umständen unmittelbar nach einem Verhör durch ein 30-köpfiges"Arbeitsteam". Gewaltsam wurde er in den Privatbereich der Mönche gezerrt, wo er nach Fotos des Dalai Lama suchen sollte. Er wurde später in einer Blutlache liegend aufgefunden und starb kurz danach.

Seit Beginn 2005 wird die "Patriotische Erziehungs"-Kampagne wieder verstärkt durchgeführt. Eine ganze Reihe von neu angekommenen Flüchtlingen berichten über die Kampagne in den Klöstern Talung und Sera sowie den Nonnenklöstern Gyabdrak und Shugseb. Es gab auch Berichte über Ausschlüsse und Verhaftungen in den betreffenden Klöstern.

Die Kampagne zur "Patriotischen Erziehung" wurde 1996 gestartet und ist eines der wichtigsten Instrumente zur religiösen Unterdrückung in Tibet. Sie ist ein Verstoß gegen die internationalen Bestimmungen über Religionsfreiheit. Die Klostergemeinschaften sollen mittels Drohungen, Ausweisung, Verhaftung und Zwang dazu gebracht werden, den offiziellen Direktiven Folge zu leisten, obwohl diese die Menschenrechtsbestimmungen der UNO in Religionsfragen verletzen.

Das TCHRD hat die Ausweisung von 11.383 Mönchen und Nonnen von Januar 1996 bis August 2004 als Folge der Kampagne"Patriotische Erziehung" dokumentiert.

Schweigeprotest im Drepung Kloster als Antwort auf rigorose Durchführung der patriotischen Umerziehung

Tibetan Centre for Human Rights and Democracy [TCHRD] Top Floor, Narthang Building,Gangchen Kyishong, Dharamsala 176215, H.P., India phone/fax +91/1892/23363/25874,
e-mail: dsala@tchrd.org, dsala@gov.tibet.net, www.tchrd.org,
Pressemitteilung 08. November 2005-11-30

Bestätigten an das TCHRD ergangenen Informationen zufolge verhängten die Behörden der Autonomen Region Tibet [TAR] schwere Restriktionen über das Drepung-Kloster in Lhasa, nachdem dort Mönche durch einen schweigenden Sitzstreik zu protestieren versuchten. Die Lage sei gespannt und das Kloster befinde sich unter strenger Kontrolle durch die chinesischen Behörden.

Seit der ersten Oktoberwoche 2005 führen "Arbeitsteam-Kader" wieder die patriotische Umerziehung in dem Kloster durch. Im Verlauf der Kampagne wurde den Mönchen am 23. November befohlen, ein Dokument zu unterzeichnen, in dem sie den Dalai Lama einen "Separatisten" zu schelten und Tibet als Teil von China anzuerkennen hatten, womit sie der chinesischen Regierung gegenüber Loyalität geloben sollten. Die Mönche gaben zu verstehen, daß sie mit dieser Anordnung nicht einverstanden seien, und weigerten sich, das Dokument zu unterschreiben. Fünf Mönche leisteten besonders heftigen Widerstand gegen das Dokument und die Kader. Sie wurden auf der Stelle des Klosters verwiesen und den Haftzentren des Public Security Bureau in ihren jeweiligen Herkunftsorten übergeben.

Auf die Festnahmen am 25. November hin führten über 400 Mönche in dem vorderen Hof des Drepung Klosters einen friedlichen Solidaritätsprotest durch, indem sie einfach schweigend dasaßen. Sie weigerten sich den Anweisungen der Behörden Folge zu leisten
und den Dalai Lama zu beschimpfen und Tibet als einen Teil Chinas zu akzeptieren. Sie verlangten auch die Freilassung der fünf festgenommenen Mönche, oder falls dies nicht geschehe, daß man sie ebenfalls des Klosters verweise. Die Regierung der TAR, die eine Ausweitung des Protests befürchtete, gab Befehl, gewaltsam gegen die Mönche
vorzugehen.

Ein riesiges Kontingent von Soldaten der Armee, der bewaffneten Volkspolizei und des Public Security Bureau traf im Kloster ein und schlug den Protest nieder. Dabei wurden die widerstrebenden Mönche schwer geschlagen. Der friedliche Protest fand ein schnelles Ende, und die Mönche wurden in ihre Unterkünfte zurückgetrieben.

Nach dieser Razzia wurden dem Kloster schwere Einschränkungen auferlegt, seit dem 25. November darf niemand mehr das Gelände betreten noch verlassen. Die Sicherheitskräfte bewachen nun das Kloster und die Aktivitäten der Mönche genauestens rund um die Uhr. Außer der Festnahme der fünf Mönche befürchtet das TCHRD, daß es während des gewaltsamen Einschreitens der Behörden und danach noch viele weitere Festnahmen gegeben haben könnte. Das TCHRD wird die Lage weiter beobachten.

In den letzten Monaten ist allgemein eine verschärfte Unterdrückung der Religion in Tibet festzustellen. Der Argwohn der Regierung in Peking, daß tibetischer Buddhismus und tibetischer Nationalismus in enger Verbindung miteinander stehen könnten, findet deutlichen Ausdruck in ihrem Vorgehen, die Religion durch die Intensivierung der "patriotischen Umerziehungskampagne", durch Festnahmen, Folter und Inhaftierung stärker zu kontrollieren. Im Zuge dieser Kampagne wurde in diesem Jahr immer wieder über Verhaftung und Ausweisung von Geistlichen aus den verschiedenen Klöstern Tibets berichtet. Mindestens ein Todesfall geht zu Lasten dieser Kampagne. Ein junger tibetischer Mönch, Ngawang Jangchub, 28, starb in der ersten Oktoberwoche unter mysteriösen Umständen auf eine "Umerziehungssitzung" im Kloster Drepung hin.

Bei dem jetzigen gewaltlosen Massenprotest der Mönche des Klosters Drepung in Lhasa handelt es sich vielleicht um den größten seit einem Jahrzehnt - trotz des Klimas schwerer Restriktion und Repression im dem von China besetzten Tibet.

Die gewaltsame Auflösung des friedlichen Protests der Mönche erfolgte Tage, nachdem der chinesische Präsident Hu Jintao während des Chinabesuchs von Präsident George W. Bush vom 19. bis 21. November diesem zugesichert hatte, daß die Menschenrechtslage
verbessert werde. Solche Zusagen erscheinen leere Versprechungen angesichts der schweren restriktiven Maßnahmen, die einem der berühmtesten religiösen Zentren in Tibet auferlegt wurden.

Das TCHRD bittet Manfred Nowak, den UN-Sonderberichterstatter für Folter, der derzeit in offizieller Mission in China und Tibet weilt (vom 21. November bis 2. Dezember), den Fall der fünf festgenommenen Mönche zur Sprache zu bringen, da sie mit großer Wahrscheinlichkeit in den Haftzentren des Public Security Bureau gefoltert werden.

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