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TID-Newsletter 18-07-2005
Inhalt:
1. Erklärung des Sondergesandten Seiner Heiligkeit des Dalai Lama, Kasur Lodi Gyari,
des Leiters der tibetischen Delegation bei der vierten Gesprächsrunde mit der chinesischen
Führung
2. Geheimgespräche in der chinesischen Botschaft in Bern
1. Am 30. Juni und am 1. Juli 2005 fand in der Botschaft der Volksrepublik China in Bern, Schweiz, ein Treffen zwischen dem Sondergesandten Kelsang Gyaltsen, mir, sowie drei unserer erfahrensten Mitarbeiter, Sonam N. Dagpo. Ngapa Tsegyam und Bhuchung K. Tsering, einerseits und Vize-Minister Zhu Weiqun, sowie einer sechsköpfigen chinesischen Delegation andererseits statt. Dies war die vierte Gesprächsrunde seit der Wiederaufnahme direkter Beziehungen 2002.
Zhu Weiqun ist der stellvertretende Leiter der Abteilung für Einheitsfront-Arbeit der chinesischen Kommunistischen Partei, er gehört auch der Zentralkommission für die Überwachung der Disziplin in der Kommunistischen Partei an.
Die Gespräche waren konkret und sachlich und fanden in einer freundlichen, offenen und geschäftsmäßigen Atmosphäre statt. Offenkundig konnten Meinungsverschiedenheiten über eine Reihe von Fragen, darunter auch einigen grundlegenden, nicht beseitigt werden.
Dennoch gab die Berner Gesprächsrunde beiden Seiten eine weitere Gelegenheit, ihre Ansichten und Perspektiven zu zentralen Themen ausführlich darzulegen.
Wir machten einige konkrete Vorschläge, die dazu beitragen können, Vertrauen und Zuversicht aufzubauen und den im Gange befindlichen Prozess verbindlich soweit voranzutreiben, dass tatsächliche Verhandlungen eingeleitet werden können, die zu einer für beide Seiten akzeptablen Lösung der Tibet-Frage führen.
Wir wiederholten mehrfach, dass wir uns verpflichtet sehen, alle Anstrengungen zu unternehmen, um ein besseres Umfeld zu schaffen. Gleichzeitig baten wir die chinesische Seite, sich unseren Bemühungen anzuschließen und wiesen darauf hin, dass wir diesbezügliche eindeutige Gesten von ihrer Seite bisher vermissen.
Deutlich war, dass beide Seiten den im Gange befindlichen Prozess positiv einschätzen.
Trotz der bestehenden Meinungsverschiedenheiten begrüßte Vize-Minister Zhu, dass sich unsere direkten Kontakte gefestigt hätten und zu einem etablierten Verfahren geworden wären. Er teilte uns ferner mit, dass die zentrale Führung der KPC diesen Kontakten mit Seiner Heiligkeit, dem Dalai Lama, große Bedeutung beimesse. Er fügte hinzu, wir dürften wegen der bestehenden Differenzen nicht pessimistisch sein, denn es sei sicherlich möglich, die Diskrepanzen durch weitere Treffen und regelmäßigen Meinungsaustausch einzugrenzen. Dies zeigt, welchen Grad an Vertrauen und Zuversicht der Prozess inzwischen geschaffen hat.
Bei der dritten Gesprächsrunde in Peking im vergangenen Jahr sprachen wir darüber, dass häufigere Treffen wünschenswert seien, sowie über die Möglichkeit, regelmäßige Treffen an einem geeigneten Ort, auch außerhalb Chinas, sowie die Miteinbeziehung von Ngapa Tsegyam in unsere Delegation, ins Auge zu fassen.
Wir berichteten heute Seiner Heiligkeit dem Dalai Lama über unsere Gespräche. Seine Heiligkeit zeigte sich sehr erfreut über die Berner Runde, die eine weitere Gelegenheit schuf, um den bestehenden Annäherungsprozess zu vertiefen. Er begrüßte auch, dass wir Gelegenheit hatten, die von der chinesischen Regierung vorgebrachten Themen ausführlich zu diskutieren und unsere Positionen zu grundlegenden Fragen eingehend darzulegen.
Seine Heiligkeit gab dem Kalon Tripa und uns die Anweisung, diesen Prozess fortzusetzen und die in der Berner Gesprächsrunde diskutierten Fragen weiterzuverfolgen.
Nach unserer Ankunft in Dharamsala am 5. Juli 2005 erstatteten wir dem Kalon Tripa Samdhong Rinpoche Bericht über die Berner Gespräche. Wir werden auch den Vorsitzenden und die Stellv. Vorsitzende der Versammlung der tibetischen Volksabgeordneten (Exilparlament) sowie die Mitglieder des Kashag davon in Kenntnis setzen.
Tibet Bureau, Genf, 7. Juli 2005
2. Geheimgespräche in der chinesischen Botschaft in Bern
Facts: berichtet über das Treffen in Bern:
Überraschend kam es in der chinesischen Botschaft in Bern zu einem geheimen Treffenzwischen den Gesandten des 14. Dalai Lama, Lodi Gyari und Kelsang Gyaltsen, und Vertretern der Volksrepublik China. Dies war das erste Treffen der Delegationen des 14. Dalai Lama und Chinas außerhalb Chinas.
Vor kurzem machte die zuständige Behörde eine Studienreise ins Ausland. Sie hat einige im Ausland lebende Tibeter getroffen und Gespräche mit ihnen geführt, um sich über ihre Wünsche und Ansprüche zu erkundigen?, bestätigte Yanmin Wang von der chinesischen Botschaft in Bern. Darunter befanden sich auch Landsleute, die intensive Kontakte mit dem Dalai-Lama pflegen?.
Das Treffen ist Teil des Dialogs, den Peking und die tibetische Exilregierung 2002 nach fast zehn Jahren Unterbrechung wieder aufgenommen haben, um den Konflikt um das von China besetzte Tibet auf friedliche Weise zu lösen. Mehrere Versuche einer
Einigung zwischen Peking und der Exilregierung scheiterten bisher.
Facts, 7.7.05
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