TIBET INITIATIVE DEUTSCHLAND e.V.

Lebenskampf einer jungen Tibeterin
Neun Jahre Haft für zeigen der tib. Fahne


07.07.2005

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Der Lebenskampf eines jungen Mädchens in Tibet
- Neun Jahre Haft wegen Verteilens von Flugblättern

Wir senden die Übersetzung eines Teils des Newsletters Mai des Tibetan Centre for Human Rights and Democracy (TCHRD). Der gesamte Newsletter steht auf unserer Website unter
http://www.igfm-muenchen.de/tibet/HRU/2005/HRU-2005-05.html

Dieser "Human Rights Update" genannten Newsletter bringt vor allem Berichte neu aus Tibet eingetroffener Flüchtlinge, aus denen man einen Eindruck von der wahren Lage in Tibet gewinnen kann. Wir übersetzen diesen Newsletter regelmäßig seit Mitte 1999, eine Liste aller Ausgaben mit Untertiteln findet sich unter http://www.igfm-muenchen.de/tibet/HRU/aHRUList.html

Tibetan Centre for Human Rights and Democracy (TCHRD)
Top Floor, Narthang Building, Gangchen Kyishong, Dharamsala 176215, H.P., India
phone/fax +91/1892/23363/25874, e-mail: dsala@tchrd.org, www.tchrd.org
Human Rights Update, Mai 2005

Ein junges Mädchen berichtet über ihr schwieriges Leben in Tibet

In den ländlichen Gebieten Tibets herrscht extreme Armut. Es fehlt den Menschen an guter Ausbildung und an Arbeitsmöglichkeiten, was ihnen das Leben ausgesprochen schwer macht. Die 17-jährige Tsekyid aus dem Dorf Draga, Gemeinde Saldo, Kreis Nedong, Präfektur Lhoka, TAR, traf im Mai 2005 im Exil ein. Sie berichtete von dem niedrigen Lebensstandard in ihrem Heimatdorf und dem schweren Existenzkampf, den sie bereits in ihrem jungen Leben zu bestehen hatte.

Tsekyi erzählt: ?Wir sind eine arme Bauernfamilie, zu der acht Personen gehören. Ich bin die Jüngste. Unser Leben ist sehr hart, weil wir so viele sind und doch so wenig zu essen haben. Auf dem kleinen Stück Land, das uns gehört, wächst nicht genug und zeitweise müssen wir eine Mahlzeit am Tag streichen, damit es am nächsten Tag noch etwas gibt.

Mit neun Jahren kam ich in die staatliche Grundschule am Ort. Meine Eltern nahmen mich nach drei Jahren jedoch wieder herunter, weil sie die Schulgebühren nicht aufbringen konnten. Pro Jahr betrugen diese 520 Yuan, außerdem wurde noch für viele verschiedene Zwecke Geld eingesammelt, wie etwa die 10 oder 15 Yuan für Schulfeiern oder die fünf Yuan für die Instandhaltungder Möbel im Klassenzimmer usw.

Nachdem ich die Schule abgebrochen hatte, wohnte ich zwei Jahre lang bei meiner Tante und hütete ihre zwei Kleinkinder. Dafür bekam ich Unterkunft und Essen bei ihr. Da ich aber Geld verdienen wollte, um meine Familie zu unterstützen, ging ich von ihr weg und suchte in Lhasa nach einem Job. Ich bat einen dort lebenden Verwandten, mir dabei behilflich zu sein. Er sagte, es sei sehr schwierig für mich, in Lhasa Arbeit zu finden, weil ich keinen Schulabschluß hätte. Einige Monate wohnte ich bei meinem Onkel. Er war selbst sehr arm, er verdiente nur durch das Austragen von Zeitungen am Morgen etwa 400 Yuan im Monat.

Ich bemühte mich verzweifelt, einen Job zu finden; einige Mädchen aus meinem Dorf rieten mir, ich solle in die Prostitution gehen. Es gibt eine Menge junger Mädchen wie mich aus armen Familien und entlegenen Dörfern, die im Bordell arbeiten, um sich durchzubringen und ihrer Familie etwas Geld zu schicken. Ich war jedoch entschlossen, niemals so etwas zu tun.

Eines Tages kam eine Frau zu meinem Onkel und erzählte mir von einem Job in einer kleinen, einem chinesischen Ehepaar gehörenden Buchbinderei. Wir ließen uns beide in dieser Buchbinderei anstellen. Zu der täglichen Arbeit gehörte die Herstellung von Buchdeckeln, das Binden von Büchern usw. Ich sollte monatlich 300 Yuan bekommen und die Frau erhielt 500, weil sie bereits vorher in einer papierverarbeitenden Fabrik arbeitete. Doch der Inhaber zahlte uns unseren Lohn selbst nach mehreren Monaten nicht, statt dessen gab er mir lediglich ein Taschengeld von 50 und der Frau eines von 100 Yuan. Wir fragten nach dem uns zustehenden Lohn, aber der Inhaber antwortete, sie hätten jetzt kein Geld und würden uns später bezahlen. Er hatte uns hereingelegt und für nichts arbeiten lassen, deshalb wollten wir dort nicht länger bleiben.

Glücklicherweise hörte ich ein paar Tage später von einer Stelle im Haushalt einer Westlerin, die als freie Mitarbeiterin an der Tibet Universität tätig ist. Sie stellte mich als Haushaltshilfe ein und gab mir 500 Yuan im Monat. Sie war sehr nett zu mir, es gab nicht viel zu tun außer dem Waschen ihrer Kleidung und dem Reinigen der Wohnung. Ich durfte auch bei ihr mitessen. Außerdem schickte sie mich auf eine von Westlern geführte Schule, um Englisch zu lernen. Diese Schule besuchte ich, bis ins Exil ging.?

Tsekyid kam am 10. Mai 2005 im Tibetan Refugee Reception Centre in Kathmandu an. Sie möchte in eine Schule der Tibetischen Regierung-im-Exil in Indien gehen. Tsekyi träumt davon, später in ihrem Heimatdorf eine Schule zu gründen, damit andere Kinder nicht dasselbe erleiden müssen, was sie in ihrer Kindheit durchmachte.

Portrait eines politischen Gefangenen:
Neun Jahre Haft für das Verteilen von Flugblättern und das Zeigen der tibetischen Flagge

Jampa Namgyal, 27 Jahre, wurde in der Gemeinde Sershu, Distrikt Kardze, TAP Kardze, Sichuan, geboren. Er besuchte die Grund- und Mittelschule von Kardze. Jampa flog jedoch von der Schule, weil er sich mit anderen Schülern angelegt hatte. Danach bearbeitete er ein paar Jahre lang den Acker der Familie. Als er 18 Jahre alt war, wurde er im Kloster von Kardze aufgenommen. Nach einigen Jahren eifrigen Studiums wurde er in seinem Kloster Lehrer für tibetische Grammatik. Außerdem betätigte er sich politisch; sein Onkel warnte ihn, er müsse vorsichtig sein, damit er nicht verhaftet würde. Jampa aber schlug die Warnungen seines Onkels in den Wind, denn er verstand sie als Ratschläge von der Kommunistischen Partei, da sowohl sein Vater als auch sein Onkel Parteimitglieder waren. Sie würden einen anderen Weg als er beschreiten, weshalb sie sich nicht in seine Angelegenheiten einmischen sollten, meinte er.

Später verließ er das Kloster, um nach Indien zu gehen. Zuerst hielt er sich einige Zeit in seinem Heimatort auf und reiste dann nach Lhasa. Doch in Lhasa erkrankte er, so daß er wieder nach Hause zurückkehren mußte.

Als er genesen war, fuhr er einmal mit einem Motorrad, an dem er hinten eine tibetische Nationalflagge befestigt hatte, zum Markt und drehte einige Runden. An allen belebten Stellen des Marktes verstreute er Flugblätter mit der Forderung nach Freiheit für Tibet und klebte diese auch ringsherum an. Als ihm klar wurde, daß ihm bald die Verhaftung bevorstünde, machte er sich in eine sehr dünn besiedelte Nomadengegend davon und ließ sich dort als Arbeiter bei einem Straßenbauprojekt anheuern. Nach ein paar Tagen an der Baustelle kamen jedoch Sicherheitskräfte vom Distrikt-PSB von Kardze zu der Stelle und nahmen ihn fest. Er wurde in das Haftzentrum des Distrikts Dartsedo geschafft und dort wiederholt unter Mißhandlungen vernommen.

2002 verurteilte das Mittlere Volksgericht von Kardze Jampa Namgyal zu neun Jahren Gefängnis unter der Anklage der ?Gefährdung der Staatssicherheit? durch gegen die Regierung gerichtete Propaganda. Er wurde in das Gefängnis von Maowan in dem Autonomen Qiang-Distrikt Maowan in der TAP Ngaba, Sichuan, verlegt, um dort seine Strafe zu verbüßen.

Jampa Namgyal ist im Trakt sieben des Maowan Gefängnisses, das beim Volk als Aba Gefängnis bekannt ist, inhaftiert. Mit seiner Gesundheit soll es infolge der unhygienischen Zustände und der dürftigen Ernährung schlecht stehen. Seine
Entlassung steht für 2010 nach Ableistung seiner Strafe in Aussicht. Übersetzung: Adelheid Dönges, München, Angelika Mensching, Hamburg

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