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14.04.2005
Besuch bei Wangchuk Tsering, dem Repräsentanten S.H. des Dalai Lama in Kathmandu 07.04.2005
Bericht von Dr. Eva Anderson, Mitglied der TID
Kathmandu / Nepal
Zunächst die gute Nachricht: Wangchuk Tsering la residiert wie gewohnt in seinen gewohnten Räumen, er sieht nur noch abgezehrter und bedrückter aus als sonst. Er tut seine Arbeit jetzt als "provisorischer" Leiter des Tibetan Welfare Centers, um seine Landsleute nicht im Stich zu lassen. Wie lange ihm das zugestanden wird, weiß niemand. Einschlägige Verhandlungen laufen.
Das Büro des Repräsentanten S.H. des Dalai Lama wurde im März 2005 geschlossen, weil es "nicht offiziell bei der nepalesischen Regierung registriert war". Bereits Mitte der 60ger Jahre und ein Jahrzehnt darnach geschah etwas Vergleichbares und jedes Mal löste sich das Problem wieder ohne großes Aufsehen. Innenpolitische Aspekte scheinen bei der Schließung damals die entscheidende Rolle gespielt zu haben.
Diesmal besteht ein offensichtlicher Bezug zur chinesischen Regierung, der man sich ergeben erweisen will. Es darf kein Zweifel an der "Ein-China-Politik" aufkommen . In diesem Zusammenhang wurden sowohl das Büro des Repräsentanten S.H. des Dalai Lama wie das Tibetan Welfare Office geschlossen. Die Büros konnten nicht registriert werden, weil die Tibeter [ohne nepalesische Staatsangehörigkeit] in Nepal kein Recht besitzen, einen Verein registrieren zu lassen.- Wer vor 1989 nach Nepal kam, bekommt zwar eine RI [Refugee Identitycard], hat aber keine Aussicht auf Einbürgerung, er darf allerdings ohne zeitliche Begrenzung in Nepal bleiben.
Die Lösung des anstehenden Problems besteht nun darin, das Tibetan Welfare Office von Tibetern mit nepalesischer Staatsangehörigkeit als NGO [Non Government Organisation] registrieren zu lassen. Tibeter, die bei der Machtübernahme durch das chinesische Regime im Grenzgebiet zu Nepal lebten und Handel trieben, bekamen die Möglichkeit, die nepalesische Staatsangehörigkeit zum damaligen Zeitpunkt ohne Probleme zu bekommen und sich in Nepal nieder zu lassen. Die tibetisch stämmigen Sherpas an der Grenze zu Tibet haben ebenfalls die nepalesische Staatsangehörigkeit. Auch die Heirat mit einem Nepalesen eröffnet die Möglichkeit, die nepalesische Staatsangehörigkeit zu erlangen. Von daher gibt es genügend Tibeter, die sich zu einer entsprechenden NGO zusammen schließen können. Ob die Registrierung allerdings vom König, dem absoluten Herrscher, genehmigt wird, kann man nicht absehen.
Die Gründung eines eingetragenen Vereins ist dringend erforderlich, um offizielle Verhandlungen mit UNHCR führen zu können. Unter dem Schutz des UNHCRs können tibetische Flüchtlinge von der nepalesisch-tibetischen Grenze abgeholt und nach Kathmandu eskortiert werden und der Transfer der Tibeter vom TRC [Tibetan Refugee Camp] nach Indien läuft über diese Organisation. -Die tibetischen Flüchtlinge dürfen seit 1990 nicht mehr in Nepal bleiben, sie müssen das Land verlassen. Über das UNCHR erhalten sie die entsprechenden Papiere, um in Indien einreisen zu dürfen.
Eine gute Neuigkeit gibt es in Bezug auf das TRC: Die Zahl der Flüchtlinge im Lager hat sich von über 1 000 im Januar auf 764 reduziert. Weil die nepalesischen Behörden nun unter dem absolutistischen Regime ordnungsgemäß [d.h. ihre Arbeitszeiten einhalten und auch ohne Bestechung ihre Aufgabe erfüllen] arbeiten, können wöchentlich zwischen 55-60 Flüchtlinge in einem Bus nach Delhi und von dort nach Dharamsala befördert werden. Die Zahl der Flüchtlinge nimmt von daher ab, auch wenn weiterhin ständig neue aus Tibet ankommen.
Die schlimme Nachricht: Durch die vielen Neubauten in der Umgebung des TRC sind die Abflussleitungen total überlastet und blockiert. Es muss erwartet werden, dass in der nahenden Monsunzeit das Lager unter Wasser steht! Der Boden des Camps muss deshalb unbedingt angehoben werden. Es gibt bereits einen Plan dafür. Die Kosten belaufen sich auf $ 5 000,-! Hier ist Hilfe dringend angezeigt.- Einen Bericht über meinen Besuch im TRC finden Sie mit einer kleinen Bildergalerie in Kürze auf der Website des Dakini Netzwerks [dakini-netzwerk.de]
Um nochmals auf die Schließung des Büros des Repräsentanten S.H. des Dalai Lama zurück zu kommen: Für die Chinesen gilt das Büro als geschlossen. Bei den Tibetern ohne nepalesische Staatsbürgerschaft geht die große Angst um, ihre Geschäfte und Betriebe könnten in Kürze ebenfalls als "not properly registered" enteignet werden! Ich fürchte, diese Angst ist nicht unbegründet, auch wenn die westlichen Botschaften Protest einlegen.
Zum Abschluss noch zur allgemeinen Lage in Nepal: Meiner Erfahrung nach ist es in Kathmandu unter einer starken Militär- und Polizeipräsenz ruhig und die Leute sind erleichtert, weil es keine Straßenschlachten mehr gibt. Die Ämter arbeiten -anders als früher- ordungsgemäß und Straßen werden gebaut und verbessert. Es herrscht eine hektische Bauaktivität, weil viele aus den Randgebieten in die Stadt flüchten, wo sie sich vor dem Terror der Maos sicher fühlen. Viele neue, westlich gestylte Geschäfte schießen aus dem Boden, die Präsenz Chinas in den neuen Billigläden ist unübersehbar. Auf dem Lande sind die Maos vorherrschend, sie kontrollieren die Dörfer und Straßen. Kurz vor meiner Rückreise am 9.April wurde wieder eine Blockade der Verbindungs- straßen nach Indien ausgerufen. Da Kathmandu auf die Anlieferung von Lebensmitteln essentiell auf die Einfuhr aus Indien angewiesen ist, kann man sich vorstellen, welche Auswirkungen diese Maßnahme hat!
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