TIBET INITIATIVE DEUTSCHLAND e.V.

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26.2.2005

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Newsletter TCHRD 26.02.2005



Die Übersetzung des monatlichen Newsletters des Tibetan Centre for Human
Rights and Democracy (TCHRD) für Dezember 2004 mit den Abschnitten

Mönch wegen "illegaler Pilgerfahrt" des Klosters verwiesen
Drei Tibeter wegen Protest gegen den Abbau von Bodenschätzen inhaftiert
Mönch ging ins Exil, um ungehindert seinen Studien nachgehen zu können
Streitigkeiten zwischen Mönchen und Regierungsleuten

Hier folgen drei Kurzberichte aufgrund von Aussagen neu eingetroffener Flüchtlinge. Eine Liste aller Newsletter seit Mitte 1999 mit den Texten in html und in pdf Format, siehe http://www.igfm-muenchen.de/tibet/HRU/aHRUList.html

Human Rights UpdateTibetan Centre for Human Rights and Democracy (TCHRD)Top Floor, Narthang Building, Gangchen Kyishong, Dharamsala 176215, H.P., Indiaphone/fax +91/1892/23363/25874, e-mail: dsala@tchrd.org, www.tchrd.org, Dezember 2004

Mönch wegen "illegaler Pilgerfahrt" des Klosters verwiesen

Sherab Tharchin, 26, stammt aus dem Dorf Tongtso, Gemeinde Ghomo, Distrikt Gertse in der Präfektur Ngari. Er wurde aus dem Kloster Lopo Dechen ausgeschlossen, weil er sich ohne zuvor um eine offizielle Genehmigung einzukommen auf Pilgerfahrt zum Berg Kailash (tib: Gang Rinpoche) begeben hat. Die Distriktverwaltung hatte eine Vorschrift erlassen, daß Mönche für Pilgerfahrten eine Genehmigung beantragen müssen.

Sherab berichtet: ?Ich stamme aus einer Nomadenfamilie. Mit 17 Jahren trat ich in das an meinem Heimatort Tongsto gelegene Kloster Lopo Dechen ein und studierte dort neun Jahre lang. Ich wurde zum Gesangs- und Novizenmeister ernannt. Unsere Klostergemeinschaft ist nur klein und besteht lediglich aus etwa zehn Mönchen. Es wurde mit der finanziellen Unterstützung von Karma Tsultrim, dem Direktor des Ngari Men Tse-Khang (Institut für traditionelle tibetische Medizin) erbaut. Er richtete auch eine Krankenstation für tibetische Medizin im Kloster ein. Es gibt in unserer Gegend keine staatliche Gesundheitsfürsorge, weder Krankenhäuser noch Sanitätsstationen, weder Einrichtungen für tibetische noch für westliche Medizin. Niemand kümmert sich in meiner Heimatregion um die Gesundheitsversorgung der Menschen.

2002 führten die Behörden eine neue Regelung für unser Kloster ein, der zufolge die Mönche eine Genehmigung beantragen müssen, wenn sie andere Orte besuchen wollen. Ohne diese dürfen sie nicht einmal auf Pilgerfahrt oder zu religiösen Zwecken nach Lhasa oder in andere nahegelegene Orte fahren. Der Behördenweg sieht drei Instanzen vor ? zuerst die Klosterverwaltung, dann geht der Antrag weiter zur Gemeinde und schließlich zu den Distriktsbehörden. Viele
Mönche reichten Anträge ein, aber nicht einem einzigen wurde bisher stattgegeben. Es war so gut wie unmöglich, eine Erlaubnis zu erhalten. Deshalb beschloß ich, mich ohne eine solche auf Pilgerfahrt zu begeben.

2003 trat ich heimlich meine einmonatige Pilgerreise zum Gang Rinpoche an. Nach meiner Rückkehr wurde ich von Mitarbeitern des Religionsbüros verhört. Sie verdächtigten mich der versuchten Flucht nach Indien. Schließlich verlangten sie von mir, ein selbstkritisches Bekenntnis zu verfassen, in dem ich erklären mußte, daß ich nicht mehr ohne offizielle Genehmigung auf Pilgerfahrt gehen würde. Ich weigerte mich. Am 25. September 2003 wurde ich aus dem Kloster ausgeschlossen und mit 6.450 Yuan Geldstrafe belegt, denn ich hatte mich über die Regelung hinweggesetzt. Nach meinem Ausschluß aus dem Kloster kehrte ich nach Hause zurück und blieb eine Weile bei meiner Familie, ehe ich schließlich nach Indien floh.?

Drei Tibeter wegen Protest gegen den Abbau von Bodenschätzen inhaftiert
Die drei Tibeter Dejor, 40, Tsering Dawa, 40, und Thartsok, 33, wurden am 4. September 2004 im Dorf Sari, Gemeinde Yongnak, Distrikt Sog (chin. Suo Xian), TAR, vom örtlichen PSB-Büro verhaftet, weil sie bei den chinesischen Behörden gegen den Abbau von Bodenschätzen in ihrer Gegend protestiert hatten. Wie verlautet, sind nun alle drei im Haftzentrum der Präfektur Nagchu (chin. Naqu) inhaftiert.

Im Juli 2004 trafen Arbeiter der Bergbaugesellschaft von Nagchu im Dorf Sari ein, um dort Bodenschätze abzubauen. Die ortsansässigen Tibeter protestierten gegen das Vorhaben und es gelang ihnen sogar, das Projekt zum Stillstand zu bringen. Berichten zufolge kam es zu hitzigen Auseinandersetzungen zwischen Tibetern und Behördenvertretern. Angehörige der Bergbauabteilung erstatteten den Behörden von Sog entsprechend Bericht. Daraufhin kamen Ende August Verwaltungskader aus Sog in Begleitung mehrerer PSB-Offiziere ins Dorf, um Nachforschungen anzustellen.

Dejor, Tsering Dawa und Thartsok wurden als Anführer der Proteste identifiziert und am 4. September 2004 bei sich zu Hause/in ihren Wohnungen verhaftet. Daraufhin wandte sich eine Gruppe Tibeter aus ihrem Ort an die Behörden und bat um die Freilassung der drei Verhafteten, da diese ihre Bedenken nur aus Sorge um die Umwelt vorgebracht hätten. Die Behörden verwarfen das Ansuchen, weil sie politische Motive hinter den Protesten vermuteten. Im November 2004 verurteilte der Mittlere Volksgerichtshof von Nagchu die drei Männer zu einjährigen Haftstrafen.

Dejor wurde in der Untersuchungshaft brutal gefoltert und soll zur Zeit in Nagchu im Krankenhaus liegen. Dawa Tsering und Thartsok sind weiterhin im Haftzentrum der Präfektur Nagchu inhaftiert. Der UN-Erklärung über das Recht auf Entwicklung (UNDRD) zufolge haben ?die Staaten das Recht und die Pflicht, geeignete nationale Entwicklungspolitiken aufzustellen, die die stetige
Steigerung des Wohls der gesamten Bevölkerung und aller Einzelpersonen auf der Grundlage ihrer aktiven, freien und sinnvollenTeilhabe an der Entwicklung und an einer gerechten Verteilung der daraus erwachsendenVorteile zum Ziel haben.? (Art. 2, Abs. 3)

Der Vorfall in Sog zeigt deutlich, daß China, obwohl es ein UN-Vollmitglied ist, in grassem Widerspruch zur UNDRD handelt. Das TCHRD ruft China dazu auf, bei allen Entwicklungsvorhaben in Tibet die Gefühle des tibetischen Volkes zu respektieren und ihm Meinungs- und Redefreiheit zu gewähren.

Mönch ging ins Exil, um ungehindert seinen Studien nachzugehen

Thupten Tsering, 22, kommt aus der Gemeinde Kyadha, Distrikt Sog. Weil er
seine religiösen Studien in Tibet nicht fortsetzen konnte, ist er ins Exil
gegangen, wo er in ein südindisches Kloster eintreten will.

Thupten berichtete dem TCHRD: ?In meiner Kindheit half ich bei der Landarbeit und konnte nicht zur Schule gehen. Mit 19 Jahren wurde ich im Kloster Woenang zum Mönch ordiniert. Seit die Behörden eine Obergrenze für die Anzahl der Mönche festgelegt und eine Altersbeschränkung eingeführt haben, leben im Kloster nur noch ca. 30 Mönche. Ein Mönch muß ein offizielles chinesisches Ausweispapier haben, um ins Kloster gehen zu können. Jedes Jahr kommt eine Gruppe von sechs bis acht chinesischen Kadern, um Kurse in ?patriotischer Umerziehung? abzuhalten. Wenn die Mönche nicht genügend Engagement zeigen, drohen die Kader mit der Schließung des Klosters. Daher nehmen die Mönche unter Zwang an den obligatorischen Kursen teil. Ich blieb fünf Jahre lang im Kloster.

Dann beschloß ich, ins Kloster Drepung überzuwechseln und ersuchte die Kloster-, Gemeinde- und Distriktsverwaltung um Genehmigung. Mein Antrag wurde aber abgelehnt. 2002 setzte ich mich trotzdem nach Lhasa ab und trat als provisorischer Student ins Kloster Drepung ein. Öfters kamen Anrufe aus meinem früheren Kloster, bei denen mir gesagt wurde, ich solle zurückkehren oder ich würde mit einer Geldstrafe belegt. Ich ignorierte die Anrufe und blieb in Drepung. Schließlich schickten die Behörden aus meiner Heimat einen Brief nach Drepung, in dem sie forderten, daß ich des Klosters verwiesen werde, was daraufhin auch prompt geschah.?

Thupten erzählte dem TCHRD außerdem: ?Die ständig in Drepung lebenden Mönche müssen mindestens einmal monatlich an Kursen für patriotische Umerziehung teilnehmen und jede Woche eine Propagandabroschüre auswendig lernen. Sie müssen Prüfungen ablegen, und die, die dabei schlecht abschneiden, werden schwer getadelt. Im Juni 2004 wurden leere Blätter an die Mönche verteilt, auf denen sie Aufsätze über die Größe des Mutterlandes und des Kommunismus verfassen sollten. Wer das nicht machte, wurde umgehend bestraft.?Weil es in Tibet keine religiöse Freiheit gibt, floh Thupten ins Exil; nun möchte er in Indien den Buddhismus studieren und praktizieren.

Übersetzung: Irina Raba, Adelheid Dönges, Angelika Mensching

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