Tausende jubeln Dalai Lama am Brandenburger Tor zu
Berlin, 20.05.2008 Zum Abschluss seines 5-tägigen Besuchs in Deutschland hat Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama gestern in Berlin an einer Großkundgebung der Tibet Initiative Deutschland (TID) und des Vereins der Tibeter in Deutschland (VTD) mit Unterstützung der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) teilgenommen. 25.000 Menschen aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland, unterstützt von zahlreichen Künstlern und Rednern, zeigten sich in dieser schwersten Stunde des tibetischen Volkes solidarisch mit dem Dalai Lama und den Tibetern. Die Teilnahme des Dalai Lama an der Kundgebung vor dem Brandenburger Tor macht diese zu einem historischen Ereignis.
Wolfgang Grader, Vorsitzender der TID, sagt: “Wir sind dankbar für die starke Unterstützung durch die Menschen in Deutschland seit dem Beginn der gegenwärtigen Krise in Tibet, die in der Berliner Kundgebung ihren Höhepunkt findet. Die Atmosphäre und die Größe der Menge, welche die tibetische Sache heute unterstützt hat, war überwältigend.“ In seiner Rede betonte der Dalai Lama, dass die Tibet-Bewegung sich nicht für Tibet und gegen China, sondern vielmehr für Gerechtigkeit einsetze. Er drückte seinen Wunsch aus, dass während das 20. Jahrhundert von Blutvergießen geprägt war das 21. Jahrhundert ein Jahrhundert des Dialogs sein möge. Die siebte Gesprächsrunde zwischen Peking und den Vertretern des Dalai Lama ist für die zweite Juniwoche angesetzt.
Seit dem 16. Mai hat der Dalai Lama vier öffentliche Vorträge über Frieden und Menschenrechte gehalten und sich mit führenden Politikern getroffen. Unter ihnen waren die Bundesministerin für Entwicklung Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert (CDU), der Auswärtige Ausschuss des Bundestags, die Grüne Parteivorsitzende Claudia Roth sowie Vertreter der FDP.
Der Dalai Lama wurde heute Morgen von der TID in Berlin verabschiedet, bevor er nach London weiterreiste.
Berlin (dpa/bb) - Der Dalai Lama hat am Montag auf einer Kundgebung vor dem Brandenburger Tor in Berlin sein tiefes Mitgefühl für die Opfer des schweren Erdbebens in China ausgedrückt. Er erinnerte an die Tausenden Toten, darunter viele Kinder, und Millionen Obdachlose. «Wir beten für die Opfer und die Vertriebenen». Demonstrationen der Exil-Tibeter sollten aus Solidarität einige Tage unterbrochen werden. Zum Abschluss seines Deutschlandbesuchs waren tausende Menschen zu der Kundgebung mit dem Friedensnobelpreisträger und religiösen Oberhaupt der Tibeter gekommen. Nach Angaben der Veranstalter versammelten sich
etwa 25 000 Menschen. (Bilder von Reiner Wiehl) |
Dalai Lama in Bamberg:
GEWALTLOSER EINSATZ FÜR DIE MENSCHENRECHTE
(Bilder Bernd J. Fertig, TID RG Würzburg) 18. Mai 2008:
Der Dalai Lama ist bei seinem zweitägigen Bayernbesuch am Wochenende von Tausenden begeistert empfangen worden. Am Sonntagnachmittag reiste der Dalai Lama von Nürnberg weiter nach Bamberg. Dort hörten in der Jako-Arena rund 5000 Gäste seinen Vortrag "Religion: Friedensstifter oder Kriegstreiber?". In seinen Vorträgen am Sonntag in Nürnberg und Bamberg sprach sich der Dalai Lama für die Förderung der "religiösen Harmonie" aus. Er betonte: "Wir brauchen alle diese verschiedenen Religionen mit ihren verschiedenen Ansätzen, da die Menschen unterschiedliche kulturelle Identitäten haben."
Wie er sich denn erklären könne, warum er unter deutschen Politikern zurzeit so viel Unfrieden verursache, fragt einer. „Ha, ha“, kichert er vergnügt. „Ganz einfach weil ich eben ein Troublemaker ein Unruhestifter bin, überall.“ Aber dann wird er doch ein wenig ernster, als es um die Zukunft Tibets geht, zu der er sich in den vergangenen Tagen ob auf Großveranstaltungen oder in Interviews stets gleichlautend und selten sehr konkret geäußert hat. Bleibt er im Vagen aus Rücksicht auf den gerade wieder begonnenen Dialog mit China, auf die unterschiedlichen Auffassungen innerhalb der Tibetergemeinde oder weil sich der 72-Jährige ganz einfach mit den mühseligen Einzelheiten von Verhandlungen nicht mehr befassen will?
„Alle tibetischen Gebiete sollten die gleichen Rechte haben“, sagt er auf die Frage, ob sich die Forderung nach Autonomie innerhalb Chinas nur auf die Autonome Region Tibet beziehe. „In Tibet leben zwei Millionen, in weiteren vier Provinzen leben vier Millionen Tibeter. Wie können wir diese Menschen ausschließen? Wir sehen uns auch als deren Repräsentanten.“
Tibeter wollen Grenzverschiebung innerhalb Chinas
Die Tibeter wollten die Zusammenlegung in eine Verwaltungseinheit, erklärt der Vertraute des Dalai Lama, Kelsang Gyaltsen. Dass damit die internen Grenzen Chinas infrage gestellt würden, sei den Tibetern durchaus bewusst. China habe aber schon viele interne Grenzverschiebungen unternommen, etwa in der Inneren Mongolei oder in Chongqing. „Allerdings kommt es uns nicht auf Territorien an, sondern auf die Menschen“, betont Gyaltsen.
Wie eine Neuordnung aussehen könnte, lässt auch der Dalai Lama offen. Man könne sich ein Modell wie in Südtirol oder in Katalonien vorstelllen, allerdings werde das wohl nicht gehen, denn China sei ja ein totalitärer Staat. Das größte Problem sei ohnehin der Mangel an Vertrauen der Chinesen. „Überwindet Euer Misstrauen, indem Ihr mit uns redet“, ruft er. „Vertraut uns!“ Der Friedensnobelpreisträger ist mit gutem Beispiel vorangegangen: Vor dem Gespräch mit deutschen Journalisten hat er sich mit Vertretern chinesischer Staatsmedien in Berlin getroffen, um das gegenseitige Verständnis zu verbessern. „Das Treffen war ganz schön emotional, aber sehr nützlich“, lobt er. (aus Welt-online, 19.5.2008)
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