Die TIBET INITIATIVE REGIONALGRUPPE WÜRZBURG
besucht am Todestag von Petra Kelly deren Grab auf dem Waldfriedhof in Würzburg.
Termin: Mittwoch 1. Oktober - 18.45 Uhr
Treffpunkt ist am Haupteingang des Waldfriedhofes um 18.45 Uhr.
Wir verweilen am Grab der Politikerin, Feministin, Umweltschützerin und Kämperin für Menschenrechte.
Der Hauptfriedhof schließt bei Einbruch der Dunkelheit (19.00 Uhr).
Wir können jedoch am Grab lange genug verweilen und anschließend durch das Drehtor den Friedhof jederzeit wieder verlassen.
Petra Kelly
- dt. Politikerin -
eigtl. Petra Karin Lehmann
geb. 29. Nov. 1947 in Günzburg an der Donau gest. 1. Okt. 1992 in Bonn (erschossen)
Beerdigt in Würzburg, Waldfriedhof
ausgewählte Pressemitteilungen:
Sie verbrachte sie ihre Kindheit im Deutschland der Nachkriegszeit. Den Nachnamen, mit dem sie weltweit bekannt wurde, erhielt sie durch ihren Stiefvater John Edward Kelly, einen US-Amerikaner irischer Herkunft. Im Alter von 13 Jahren übersiedelte Petra Kelly mit ihrer Familie in die USA. Bereits in frühen Jahren setzte sie sich mit der deutschen Zeitgeschichte und den nationalsozialistischen Verbrechen auseinander - aus Günzburg stammte der berüchtigte KZ-Arzt Josef Mengele - und gewann zugleich eine nationale Schranken überwindende Grundorientierung.
Von 1966 bis 1970 studierte sie Politische Wissenschaften an der American University in Washington und erwarb den Grad Bachelor of Arts, ausgezeichnet als "Most Outstanding Foreign Woman Student". Im Präsidentschaftswahlkampf 1968 arbeitete sie für Robert Kennedy und Hubert Humphrey. Damit begann ihr Eintritt in die praktische Politik.
Seit 1967 war sie Mitglied im Studentenrat und organisierte politische Seminare und Vorträge. Sie beteiligte sich an Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg und gegen die Rassendiskriminierung und lernte so den gewaltfreien Protest der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und die politische Kultur der US-amerikanischen Gesellschaft kennen. Engagement für Frieden und Bürgerrechte zieht sich von da an wie ein roter Faden durch ihr Leben. Ihre Vorbilder waren, um nur wenige zu nennen, Menschen und Gruppen wie Martin Luther King und Mahatma Gandhi, Rosa Luxemburg und Alexandra Kollontai, die weltweite Bewegung Schwerter zu Pflugscharen und die Frauen von Greenham Common, Cesar Chavez und Anne Montgomery, Rosa Parks und Dorothy Day,
Andrej Sacharow, Vaclav Havel und Solidarnosc.
Im Februar 1970 starb Grace Kelly im Alter von zehneinhalb Jahren an Krebs. Ihr Vermächtnis gab Petra Kelly eine entscheidende Richtung: "Ich habe von ihr gelernt, Wünsche und Forderungen anzumelden, sich mit dem Bestehenden nicht zufriedenzugeben, und ich habe durch sie gelernt, daß man einfach nicht aufgeben darf."
Petra Kelly gründete im Juli 1973 die Grace P. Kelly Vereinigung zur Unterstützung der Krebsforschung für Kinder e.V., eine Initiative, die sich für die psychosoziale Betreuung von krebskranken Kindern einsetzt und das psychosoziale und sozialpädiatrische Modell "Der Kinderplanet" initiiert hat, das krebskranken Kindern ein kindgerechtes Leben während ihres Krankenhausaufenthaltes ermöglichen soll. Das Engagement für krebskranke Kinder wurde neben dem Kampf gegen die Atomenergie, eine der Hauptursachen von Krebs, zu einem bestimmenden Anliegen ihrer Politik.
Im Herbst 1970 kehrte Petra Kelly nach Europa zurück und schloß 1971 ihr Studium mit dem Masters Degree (M.A.) in Amsterdam ab. Gleichzeitig arbeitete sie als Forschungsassistentin am Europa-Institut. Ihre berufliche Laufbahn begann sie im Herbst 1971 bei der EG-Verwaltung in Brüssel. Bereits 1973 wurde sie Verwaltungsrätin im Sekretariat des Wirtschafts- und Sozialausschusses und arbeitete an ca.150 Stellungnahmen für den Rat und die Kommission der Europäischen Gemeinschaft mit.
Petra Kelly hatte als Studentin aktiv an der amerikanischen Bürgerrechts- und Protestbewegung der 60er Jahre gegen die zerstörerische Dynamik der Industriegesellschaft und den Vietnamkrieg teilgenommen. In Westdeutschland richtete sich die außerparlamentarische Opposition vor allem gegen die autoritäre und restaurative Nachkriegsgesellschaft. Seit den 70er Jahren organisierte sich eine weit verzweigte Bewegung von Bürgerinitiativen, die Alternativen zur herrschenden Wachstumsideologie entwickelte und basisdemokratische Modelle der politischen Beteiligung erprobte. Aus diesen Impulsen für eine umfassende politische und gesellschaftliche Erneuerung gingen Ende der 70er Jahre DIE GRÜNEN als neue politische Partei hervor.
Als sich 1972 fünfzehn Bürgerinitiativen und ca. 450 Einzelmitglieder aus dem Südwesten der Bundesrepublik zum Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) zusammenschlossen, war Petra Kelly von Anfang an als Mitarbeiterin des BBU-Umweltmagazins dabei.
Seit Mitte der 1970er Jahre entstanden überall in Westdeutschland sogenannte grüne, bunte und/oder alternative Listen, die sich an den Wahlen zu Kommunal- und Landesparlamenten beteiligten.
Die Entscheidung dieser ökologisch orientierten Listen, 1979 unter dem Namen DIE GRÜNEN gemeinsam für das Europaparlament zu kandidieren, führte ein Jahr später, im Januar 1980, zur offiziellen Parteigründung, basierend auf den vier programmatischen Grundsäulen Gewaltfreiheit, Ökologie, soziale Gerechtigkeit und Basisdemokratie.
Petra Kelly, die allgemein anerkannte und über die Grenzen hinaus bekannte Vertreterin der Anti-Atom-Bewegung, wurde zur Spitzenkandidatin bei der Wahl zum Europäischen Parlament, bei der DIE GRÜNEN beachtliche 3,2 % der Wählerstimmen erzielten. Im März 1980 wurde Petra Kelly in den ersten Bundesvorstand gewählt und war bis vor der Bundestagswahl 1983 eine der drei gleichberechtigten Vorsitzenden der Grünen Partei.
Zugleich gewann sie auch internationale Anerkennung. 1982 wurde sie mit dem Alternativen Nobelpreis, 1983 mit dem Preis "Frau des Jahres" der amerikanischen Frauenorganisation Women Strike for Peace ausgezeichnet.
Als DIE GRÜNEN am 6. März 1983 mit einem Stimmenanteil von 5,6 Prozent erstmals den Einzug in den Deutschen Bundestag schafften, wurde Petra Kelly, über die bayerische Landesliste in den Deutschen Bundestag gewählt, gemeinsam mit Otto Schily und Marie Luise Beck-Oberdorf erste Fraktionssprecherin.
Am 01. Oktober 1992 wurde Petra Kelly von ihrem Lebensgefährten Gert Bastian im Schlaf erschossen. Motiv und Hintergründe sind bis heute nicht abschließend geklärt. Die Untersuchungen haben jedoch deutlich gemacht, daß Petra Kelly mitten im Leben stand, daß sie zahlreiche Pläne hatte und nicht freiwillig aus dem Leben geschieden ist.
Petra Kelly
geboren am 29. November 1947 in Günzburg, Donau
gestorben (erschossen) am 1. Oktober 1992 in Bonn
deutsche Politikerin (Die Grünen)
Beerdigt in Würzburg, Hauptfriedhof
10. Todestag am 1. Oktober 2002
Im Jahr 1960 zieht die zwölfjährige Petra Karin Lehmann, die bis dahin behütet bei ihrer Großmutter aufwuchs, mit ihrer Mutter und dem Stiefvater John Kelly in die USA. Das (sprach)begabte Mädchen hat keine Probleme in der neuen Umgebung. "Geben Sie Petra die beste Ausbildung, die Sie ihr ermöglichen können. Was immer das Mädchen später einmal tun wird, es wird Hervorragendes leisten", sagt der Rektor der Baker High School in Columbus, West Virginia, zu ihrer Mutter. Zwischen 1966 und 1970 absolviert sie an der American University in Washington, DC, ihr Politikstudium und lehrt dort anschließend als Dozentin.
Mit einem Stipendium kommt sie nach Europa, wo sie ab 1971 als hochqualifizierte Beamtin bei der Europäischen Gemeinschaft in Brüssel arbeitet. Von dort aus mischt sie sich in die deutsche Politik ein: Sie ist u.a. Mitglied in der deutschen Friedensgesellschaft und Vorstandsmitglied im Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU). 1979 aus der SPD ausgetreten, gehört sie zu den Gründungsmitgliedern der Grünen Partei. Sie war, wie Joschka Fischer sagte, "die herausragende Persönlichkeit bei der Gründung der Grünen Partei in Westdeutschland". Sie stand ganz allein als Person weltweit für die deutschen Grünen. Sie war gewiß kein bequemer Mensch, schon gar nicht leicht im Umgang und in der Zusammenarbeit, aber wer war das schon?" "Nur wenn man auf die Wunde drückt oder schreit, wird sich etwas verändern", lautete ihre Devise. Bei den Bundestagswahlen 1983 erreichten die Grünen 5,6 Prozent der Stimmen und zogen in den Bundestag ein. Es war zum großen Teil das Verdienst der Symbolfigur Kelly. Ihr rückhaltloser Einsatz und ihre Aktionen für die Menschenrechte, für die Befreiung der Frau, für den Schutz von Minderheiten, für Gewaltlosigkeit, für die Friedensbewegung mobilisierten Massen.
Ab 1984 begann ihr Stern innerhalb der Partei zu sinken. Da bildete sie, zusammen mit dem ehemaligen Bundeswehrgeneral Bastian, ein eigenes politisches Team. Wie fragil dieses geworden war, zeigte sich in der Nacht vom 1. Oktober 1992. Da erschoß Bastian erst die schlafende Petra Kelly und dann sich selbst. Tot aufgefunden wurden die beiden erst knapp drei Wochen später, am 19. Oktober.
THE PETRA KELLY ARCHIVES
Petra Kelly - Curriculum Vitae
1947 Petra Karin Kelly is born in Günzberg
1959 The Kelly family moves to the USA
1966 Kelly studies political science at the American University in Washington D.C. she graduates from the European Institute of the University of Amsterdam in 1971
1970 Kelly’s sister Grace dies of cancer at the age of 10
1972 Kelly becomes involved in the German Association of Citizens’ Initiatives for Environmental Protection
1973 Petra Kelly founds the "Grace Kelly Association for the Support of Cancer Research for Children" (registered association)
1975 Kelly is a speaker at the first demonstration against the "fast-breeding" nuclear reactor in Kalkar
1976 Travels to Hiroshima and Nagasaki
1977 Lecture trip upon the invitation of the Australian anti-uranium movement
1979 Petra Kelly is the leading candidate of the Greens for European elections
1980 Kelly is elected to the speaker’s body of the first national executive committee of the Green Party she participates in the first forum: "Krefeld Appeal: Nuclear Death Threatens Us All"
1981 Kelly speaks at the peace movement’s first major rally in Bonn
1982 Petra Kelly is awarded the Alternative Nobel Prize
1983 The Greens are elected to the Bundestag, the German parliament, and Petra Kelly becomes its parliamentary group’s speaker she participates in the protest action "Swords to Plowshares" on Alexanderplatz in East Berlin
1987 Kelly is reelected to the German Bundestag she participates in the international forum "For a Nuclear-free World" in Moscow, meeting with Andrey Sakharov and Yelena Bonner the Bundestag unanimously approves a resolution proposed by Petra Kelly on human rights violations in Tibet
1990 The West German Greens are unsuccessful in the first Bundestag elections of unified Germany
1991 At the party conference in Neumünster, Petra Kelly receives only a few votes for her candidacy for the national executive board of the Greens
1992 Kelly moderates Fünf vor Zwölf ("Five to Twelve"), a TV feature show on environmental protection
1992 , Sep. Kelly participates in the " World Uranium Hearing" in Salzburg and in the "Global Radiation Victims’ Conference" in Berlin
1992 Petra Kelly is shot to death by her partner, Gert Bastian